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Pressetext -
Mönchehaus Museum Goslar  
Kaiserring 2005 ROBERT LONGO
Ausstellung ROBERT LONGO im Mönchehaus-Museum Goslar
vom 8. Oktober 2005 bis 15. Januar 2006
Die
Medien können uns so leicht verführen,
weil ihre
Bildsprache so einfach ist. Es ist eine
Bildsprache
der Gewalt.
Robert Longo
Erste
internationale Aufmerksamkeit erregte Robert Longo
(geb. 1953 in Brooklyn, New York) in den 80er Jahren mit Installationen,
großformatigen Zeichnungen, Reliefs, Skulpturen, Performances, Videos
und Filmen, deren Bildsprache sich bewusst an die effektheischenden, scheinwelterzeugenden
Megabilder der Masssenmedien anlehnte. Auf der documenta 6 (1982)
war Longo mit Kohlezeichnugen aus der später berühmt
gewordenen Serie Men in the Cities vertreten, die er mit monumentalen
Reliefs kombinierte. Für die folgende documenta 7 (1987) schuf
er die monströse Bronzeskulptur All your Zombies: ein groteskes Zwitterwesen,
in dem sich Züge eines Zombies, Rambos oder Heldensoldaten vermischen.
Wie kaum ein anderer arbeitete Longo bis in die jüngste Vergangenheit
in unterschiedlichsten Medien. Wiederholt griff er dabei auf Fotovorlagen
aus Zeitschriften und Büchern, Pressearchiven oder auf Filmstills
zurück. Longo nutzt die Kombination verschiedener Darstellungsformen,
um den Einfluss der allgegenwärtigen Bilder- und Informationsflut
auf unser Leben und Denken zu thematisieren. Dabei kreisen seine dramatischen
Inszenierungen um die großen Themen Macht, Gefahr, Gewalt, Angst,
Krieg, Liebe und Tod. Wie wenige andere Künstler seiner Generation
hat er insbesondere Machtbedürfnis und Moral des Wertekanons seines
Heimatlandes in vielen seiner Werke kritisch befragt.
Als
Auftakt der Ausstellung im Mönchehaus-Museum Goslar hängen
daher im Eingangsraum vier Bodyhammers (1993): großformatige Zeichnungen
der meistbenutzten Revolver Amerikas. Im übrigen Erdgeschoss konzentriert
sich die Ausstellung auf Werke der letzten fünf Jahre. Longo
arbeitet seit dieser
Zeit fast ausschließlich wieder im Medium seiner Anfänge, der
Zeichnung.
Weltweit
erstmalig werden in Goslar Arbeiten aus den vier großen Zeichnungszyklen
dieser Periode in einer Gegenüberstellung zu sehen sein.
Typisch
für Longo ist, ein Thema in einer Werkgruppe durch-zuspielen und
es dann abzuschließen. So sehen wir Arbeiten aus der Serie über
die Wohnung von Sigmund Freud (2000-2003) in Wien, einige gewaltige
Wellenbilder (2000-2004), dramatische Bilder von Atombomben
(seit 2003) in Kombination mit dem Bild einer Rose und schließlich
spirituelle Bilder von Planeten
(seit 2004).
Allen
Werkgruppen gemeinsam ist das Ausgangsmaterial.
Longo entnimmt die Motive für seine Bilder nicht dem direkten Erleben.
Er nutzt fotografische Vorlagen. Inspirationsquelle für die Freud-Serie
bildete ein Bildband mit historischen Aufnahmen von Freuds Wohnung in
Wien, kurz vor dessen Emigration nach London (1938). Die Wellenbilder
wurden durch Surfermagazine angeregt, die schaurig-schönen Atompilze
von Pressefotos, militärischen Archivaufnahmen und Medienbildern
vom 11. September 2001, die Planetenbilder von Aufnahmen des Instituts
in Princeton, an dem Albert Einstein lehrte. Longo dekonstruiert
die von den Medien kommunizierten Bilder durch gestalterische Mittel wie
Blow up, cropping und dramatische Hell-Dunkel-Effekte,
um deren manipulierende Wirkung bloßzulegen. Gleichzeitig erschafft
er sie in der künstlerischen Aneignung dennoch neu. Mehrere überein-ander
gelagerte Kohleschichten erzeugen einen samtenen Effekt. Die Werkgruppen
hängen nicht nur im Hinblick auf ihre künstlerische Technik
zusammen. Ebenso sind sie thematisch miteinander verbunden. Bezugsfelder
sind emotional besetzte Inhalte: Bedrohung, Angst vor Leere, Wirkungen
des Unbewussten, Gewalt und nicht zuletzt die Ambivalenz von Schönheit
und Schrecken.
In
den übrigen Stockwerken gibt die Ausstellung einen Überblick
über ältere Werkphasen. Gezeigt werden über 100 Zeichnungen
aus dem Zyklus Magellan (1997) sowie Fotografien aus der Serie Men in
the Cities (1982). Videos und Filme ergänzen das Bild des vielseitigen
Medienkünstlers.
Live-Aufnahme,
des
NDR - Studio Braunschweig,
im
Mönchehaus Museum 2005
Autor: Carsten Thiele
©
2005 NDR
Studio Braunschweig
ROBERT
LONGO
im Gespräch mit Schülern
und Besuchern seiner Ausstellung
DEEP SILENCE
mp3 - Datei (2,8 MB)
Mönchehaus-Museum
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