JÖRG IMMENDORFF  
  Kaiserringträger der Stadt Goslar 2006  
Pressemitteilung der Stadt Goslar vom 09. Jan. 2006

Zwischen Geschichte und Satire

Der Goslarer Kaiserring 2006 geht an Jörg Immendorff



GOSLAR.
Dem Künstler Jörg Immendorff wird der Kaiserring
der Stadt Goslar für das Jahr 2006 verliehen.
Das gab Goslars Oberbürgermeister Dr. Otmar Hesse
am Freitagabend beim traditionellen Neujahrsempfang
in der Goslarer Kaiserpfalz bekannt.


Jörg Immendorff wurde am 14. Juni 1945 der Elbstadt
Bleckede, geboren.

Er lebt und arbeitet in Düsseldorf.


Pressetext Kaiserring an Jörg Immendorff- PDF-DateiPressetext - Jörg Immendorff - Kaiserring 2006 - Rechtsklick für Download. Sie brauchen den kostenlosen Acrobat Reader -  (http://www.adobe.com/products/acrobat/alternate.html)


Links:
JÖRG IMMENDORFF - Kleine Reise (Hasensülze)Jörg Immendorff - Kaiserring 2006 - Rechtsklick für Download. Sie brauchen den kostenlosen Acrobat Reader -  (http://www.adobe.com/products/acrobat/alternate.html)

JÖRG IMMENDORFF im Mönchehaus Museum - Bilder (Auswahl)Jörg Immendorff - Kaiserring 2006 - Ausstellung im Mönchehaus Museum - Bilder (Auswahl)

Presseinformation

Mönchehaus Museum für moderne Kunst Goslar
Kaiserring




Trauer um Jörg Immendorff
28. Mai 2007 - Jörg Immendorff ist tot:
Der Maler und Kunstprofessor Jörg Immendorff ist im Alter von 61 Jahren
in seinem Haus in Düsseldorf gestorben.

Stolz auf den Ringträger
Jörg Immendorff - Trauer um Jörg Immendorff - Artikel - Goslarsche Zeitung - 30.05. 2007 - von Sabine Kempfer
Das Mönchehaus und die Stadt Goslar sind stolz darauf,
Immendorff in den Reihen der Kaiserringträger zu haben.

Jörg Immendorff Goslarer Kaiserring 2006 - Kleine Reise - Text von Dr. Holger Broeker
Foto © Jörg Immendorff

JÖRG IMMENDORFF
Links:

Projekt mit der Charité:
Kampf gegen ALS
Christoph Schlingensief

Galerie Michael Werner Köln

n-TV - Interview ( D. Dröge)

Die Zeit - Interview ( A. Thilo)
Die Zeit - Interview ( H.-B. Kammertöns)

3sat - Interview (G. Scobel)
3sat - Interview ( G. v. Böhm)

FAZ - Artikel (Thomas Wagner)

DURCH DIE NACHT mit Jörg Immendorff
und
Christoph Schlingensief


Staedtische Galerie Karlsruhe

Kunstmuseum Bonn
Jörg Immendorff - Malerdebatte


Deutsche Bank Stiftung - Jörg Immendorff
Museum Küppersmühle
Sammlung Deutsche Bank Kunst
Jörg Immendorff


Kunstaspekte

Das Mönchehaus Museum ist nicht
verantwortlich für die Inhalte externer Websites
 

Jörg Immendorff – Kaiserringträger der Stadt Goslar 2006
Mönchehaus-Museum Goslar, 07.10.06 bis 21.01.07

Die Ausstellung des diesjährigen Kaiserringträgers Jörg Immendorff (*1945 in Bleckede, lebt in Düsseldorf )
konzentriert sich mit über 80 Gemälden sowie der Skulpturenreihe „Malerstamm“ (2002 – 2005)
auf zwei bedeutende Werkphasen des Künstlers: den Zeitraum Anfang der 80er Jahre und die Gegenwart.

Jörg Immendorff hat sich, wie kein zweiter deutscher Maler der Nachkriegsgeneration, mit der Thematik
der deutschen Teilung auseinandergesetzt. Sie steht daher in Goslar – im ehemaligen Zonenrandgebiet
gelegen – im Mittelpunkt der Ausstellung. Als programmatisches Werk hängt im Eingangsbereich des
Museums das monumentale Gemälde „Kleine Reise (Hasensülze)“ von 1990 (250 x 500 cm,
Kunstmuseum Wolfsburg). Der Künstler nimmt dort eine Bestandsaufnahme der Kunstsituation ein Jahr
nach der Grenzöffnung vor. Das Bild gehört zu den Schlüsselbildern des Gesamtwerks.

Einen großen Werkkomplex bilden die Werke zwischen 1979 und 1984, die leitmotivisch unter dem
Themenschwerpunkt „Café Deutschland“ zusammengefasst werden können. 1978 hatte sich Immendorff
von der agitatorischen Rhetorik und der plakativen, ideologischen Ausrichtung seines bisherigen Oeuvres
abgewandt und zu einem freieren Malstil – jenseits von Agitprop – gefunden. Die expressiv gemalten
Szenarien thematisieren die politische und künstlerische Teilung Deutschlands aus einer subjektiven
Betroffenheitsperspektive. Charakteristisch für diese Werkphase sind parallel verlaufende
Handlungsstränge mit komplexen Verweisen, Metaphern und Symbolen in einem häufig bühnenartig
angeordneten Bildraum: Wiederholt finden sich emblematische Staatsmachtzeichen wie der heraldische
Adler, das Hakenkreuz, Hammer und Sichel oder Hammer und Zirkel – das Brandenburger Tor als Symbol
der Teilung. Bei den in diesen fiktiven Räumen agierenden Personen handelt es sich um Künstlerkollegen
oder künstlerische Vorbilder und um politische Figuren des rechten oder linken Lagers. Wiederholt treffen
wir auf A.R. Penck, mit dem Immendorff seit 1976 freundschaftlich verbunden ist. Zeichen, Symbole und
Personen bilden eine Art „Vorratskammer“ (Immendorff), eine unendliche Bilderbank für seine
Bildfindungen.

Seit 1985 taucht der Affe als alter ego und Doppelgänger des Künstlers im Immendorffschen Bildkosmos
auf. Der Affe ist Sinnbild für die Unerreichbarkeit der göttlichen Schöpfung. Der kann sich der Künstler nur
als nachahmender Affe nähern. Unter dem Titel „Malerstamm“ hat Immendorff von 2002 bis 2005 17
Affenskulpturen in Bronze geschaffen, die auf das Werk anderer Künstler aus Gegenwart und
Vergangenheit Bezug nehmen. Sie alle sind hier ausgestellt.

Die letzte Werkgruppe bilden Gemälde aus den Jahren 2004-2005. Aufgrund seiner Krankheit ist
Immendorff nunmehr reiner Ideengeber der Bilder – eine Art der Kunstproduktion, die er selbst als
Idealzustand bezeichnet hat. Der Bildfundus wird in den jüngsten Schöpfungen um Versatzstücke aus
Gemälden Alter Meister erweitert, die collageartig mit amorphen Formationen kombiniert werden.

Immendorff kreiert imaginäre Räume, utopische Orte, und kommentiert politische Situationen. Er lotet
Verbindungspunkte zwischen künstlerischem und politischem Raum aus, greift kunsthistorische Genres
auf und arrangiert, durch literarische und künstlerische Vorlagen inspiriert, große bühnenartige Tableaus.
Zu seiner bildnerischen Strategie gehören Bilder in Bildern, Embleme, Zeichen und Typen. Diese sind von
hoher Wiedererkennbarkeit. Sie laden zur Dechiffrierung ein – und sind doch nie ganz auszudeuten,
lassen verschiedene Lesarten zu. Dieser ständige Perspektivwechsel in seinem Werk, die Kombinatorik
aus Verweisen, Chiffren und Symbolen aus einem riesigen bildsprachlichen Fundus erscheint intuitiv.
Gleichzeitig besitzen Immendorffs Arbeiten einen stark konzeptionellen Charakter. In diesem
Spannungsverhältnis aus Intuition und Konzeption liegt ihre eigenwillige Stärke.


Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit den Laudationes von Werner Spies und von Peter-Klaus Schuster
sowie ein Text von Dieter Ronte.

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JÖRG IMMENDORFF
Die Ausstellung Jörg Immendorffs, im Mönchehaus Museum Goslar,
wird ca. 80 Arbeiten zeigen. Gemälde und Bronzen, aus allen wichtigen Werkgruppen.



JÖRG IMMENDORFF, "Es lebe die Malerei"JÖRG IMMENDORFF
"Es lebe die Malerei"

1980, Dispersionsfarbe auf Nessel, 110 x 110 cm
Courtesy Galerie Michael Werner





















JÖRG IMMENDORFF, "Weltfrage 2"JÖRG IMMENDORFF
"Weltfrage 2"
1981, Kunstharz auf Leinwand, 310 x 200 cm
Courtesy Galerie Michael Werner
































JÖRG IMMENDORFF, "Weltfrage 1"JÖRG IMMENDORFF
"Weltfrage 1"
1981, Kunstharz auf Leinwand, 200 x 250 cm
Courtesy Galerie Michael Werner

















JÖRG IMMENDORFF, "Es geht voran"JÖRG IMMENDORFF
"Es geht voran"
1981, Öl auf Leinwand, 50 x 40 cm
Courtesy Galerie Michael Werner

























JÖRG IMMENDORFF, "C.D.Heiß - Kalt"JÖRG IMMENDORFF
"C.D.Heiß - Kalt"
1983, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm
Courtesy Galerie Michael Werner


















JÖRG IMMENDORFF, "Studykopf 1 (zurückgenommen)"JÖRG IMMENDORFF
"Studykopf 1 (zurückgenommen)"
1984, Öl auf Leinwand, 285 x 300 cm
Courtesy Galerie Michael Werner




















JÖRG IMMENDORFF, "Studykopf 2 (für Kricke)"JÖRG IMMENDORFF
"Studykopf 2 (für Kricke)"
1984, Öl auf Leinwand, 285 x 285 cm
Courtesy Galerie Michael Werner





















JÖRG IMMENDORFF, "Aus Eisen Gold malen"JÖRG IMMENDORFF
"Aus Eisen Gold malen"
2004, Öl auf Leinwand, 145 x 135 cm
Courtesy Galerie Michael Werner























JÖRG IMMENDORFF, Malerstamm - OttoJÖRG IMMENDORFF
Malerstamm - Otto
2002, Bronze, 92 x 39 x 36 cm, Auflage: 6 + 3 x ea
Courtesy Galerie Michael Werner



























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Mit freundlicher Genehmigung:

Aus dem Sammlungskatalog, JÖRG IMMENDORFF: Kleine Reise (Hasensülze)
Dr. Holger Broeker
In: Kunstmuseum Wolfsburg. Gesammelte Werke 1, Zeitgenössische Kunst seit 1968, Ostfildern-Ruit 1999, S. 250-255.
KLEINE REISE (HASENSÜLZE)JÖRG IMMENDORFF
JÖRG IMMENDORFF - KLEINE REISE (HASENSÜLZE)JÖRG IMMENDORFF - KLEINE REISE (HASENSÜLZE)
Kleine Reise (Hasensülze), 1990, Öl auf Leinwand, 250 x 500 cm
Provenienz: Galerie Michael Werner, Köln und New York; Galerie Daniel Templon, Paris
 
 
Mit provokanten Bildern wie Hört auf zu malen! (1966) und noch bissigeren
Aktionen, die Kunst als Mittel gesellschaftlicher Veränderungen einsetzten,
profilierte sich Immendorff als Unruhestifter des deutschen Kunstbetriebs par
excellence. Mit Bildern wie Hört auf zu malen! (1966) und Wo stehst Du mit
Deiner Kunst, Kollege?
(1973) forderte der Schüler und Wegbegleiter von
Joseph Beuys unmißverständlich künstlerische wie politische Stellungnahmen
ein. Dabei bedient sich Immendorff oft unter Einbeziehung seiner eigenen
Person als „Bildheld“ einer Strategie des Malens, die Rudolf Schmitz treffend
als „Münchhausen-Paradigma“ bezeichnet hat, als „prädestiniertes

Mittel, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen.“1

Sein politisches Engagement hat Immendorff beibehalten, auch wenn seine
Malerei, die er Mitte der siebziger Jahre mit der Serie der Café Deutschland-
Bilder wieder aufnahm, in den neunziger Jahren subtiler geworden ist: „Ich
bin pausenlos politisch aktiv, indem ich male. Ich bestehe auch als Maler
darauf, ein politisch denkender Mensch zu sein, wie ich in meiner Malerei
gesellschaftliche Dinge reflektiere, unter denen ich arbeiten muß.“2 Aber es
ist nicht nur die Zuspitzung politischer Aspekte, die Kleine Reise (Hasensülze)
eine Schlüsselstellung3 im Œuvre Immendorffs zukommen läßt. In diesem Bild
unternimmt Immendorff den Versuch einer Zustandsbeschreibung, die
Rückblicke einschließt und mehrere Ebenen zusammenführt. Grundlage hierfür
ist Immendorffs Denken in Bildern: „Das trifft die Sache am ehesten, und
dahinter ist Neuland. Am liebsten sind mir augenblicklich Begriffe wie Suche
oder Reise, die über das Leben hinausgeht. Ich stelle Arbeitsmaterial in dem
Sinne zur Verfügung, daß es vom Betrachter aufgegriffen werden kann, wobei
damit ein hochangesetzter Anspruch mit entsprechendem Schwierigkeitsgrad
verbunden ist.“4


Ein Jahr nach der Grenzöffnung zur ehemaligen DDR unternahm Immendorff mit
Kleine Reise (Hasensülze) eine Bestandsaufnahme der Kunstsituation, in der er
sich zu diesem Zeitpunkt sah, wobei er auf die Ikonographie früherer Bilder
zurückgriff: Zahlreiche Wege durchkreuzen eine dunkle, unwirtliche
Landschaft, die vor allem das linke Drittel des Bildes ausfüllt. Dort schreitet
eine Gestalt an einem Wegweiser mit der Beschriftung „Front“ vorüber, ein
offener Lastwagen mit pinselbewaffneten Passagieren auf der Pritsche
(„Malerauto“) bewegt sich vom unteren Bildrand über einen steil ansteigenden
Weg, der die Landschaft wie eine Mauer durchtrennt; vor ihm ein von der
Piste gestürzter Wagen, zu dessen Ladung offenbar der ausgelaufene
Farbeimer auf der Fahrbahn gehörte; überall Grüppchen oder einzelne mit
Pinseln hantierende Gestalten, seien es die Angler am Teich (die im Trüben
fischen?) oder der Maler, der nahe dem rechten Bildrand auf einem
abgebrochenen Ast sitzt und die Situation auf seiner Leinwand festhält. Die
Sonne ist durch eine runde Scheibe mit einem Zeichen verdunkelt, das an das
1981 entstandene Bild Kein Licht für wen denken läßt.

Rechts im Bild ist eine hingewürfelte Gruppe von „Häusern“ zu sehen, Räumen
mit schaufenstergroßen Öffnungen, die an LIDLSTADT5 erinnern und wie
Laternen in der Dunkelheit leuchten. Auf ihnen stehen außer Immendorffs
Namen und dem seines Kunsthändlers Werner die seiner befreundeten
Künstlerkollegen Baselitz, Penck und Lüpertz, wobei jedem von ihnen ein
Emblem zugeordnet ist, das sich auf dem jeweiligen Dach befindet. Auf dem
Dach des Immendorff-Hauses, in dem das Porträt eines pinselhaltenden Affen,
dem „Wappentier“6 Immendorffs, an der Wand lehnt, liegt ein Eisstern in den
Umrissen eines Adlers, in den die Skizze des Brandenburger Tores geritzt ist,
wie in dem Bild Naht, das 1981 nach Immendorffs Kontaktaufnahme mit
Kollegen im Osten des noch geteilten Landes entstand. Während die „Stadt“
bereits in Bildern wie Solo (1988) als Hintergrund diente, erschienen Eisstern
und Brandenburger Tor auch in Naht (1981) und in dem Selbstbildnis Zeig was
Du hast
(1983). In dieser Stadt der isolierten Häuser, deren Zugang durch
zwei Affen mit Pinseln in Schilderhäuschen kontrolliert wird, bildet sich die
Veränderung gegenüber den sechziger Jahren ab: Die gemeinsamen LIDL-
Aktivitäten, die Utopien des Kollektivs, sind der Selbstbezogenheit des
Einzelnen gewichen: „Ich war in den letzten Jahren sehr mit mir selbst
beschäftigt, und die anderen auch. [...] Es ist leider so, daß wir alle sehr
aktiv, sehr produktiv und sehr eingespannt sind. Wir schnüffeln nicht mehr im
Atelier des anderen. Das vermisse ich.“7


Über den Ateliers und der Landschaft schwebend sitzen im Zentrum des Bildes
Marcel Duchamp und Immendorff auf einer roten Bank. Über ihnen, auf einem
die Breite der Rückenlehne aufnehmenden „Bildschirm“8, erscheint der in
seiner Mitte noch gelb glühende, eiserne Schriftzug EINHEIT, der von einer
Arbeitergestalt geformt wird. Dieses Wort steht nicht nur für die gerade
erfolgte Wiedervereinigung, sondern auch in Kontrast zu den isoliert
wirkenden Ateliers, strahlt aber auch auf das Geschehen in der Bildmitte ab.
Dort steht Joseph Beuys als Mentor des sozialen Kunstbegriffs neben
Duchamp, dem Protagonisten des nicht-subjektiven Readymades, und reicht
ihm Feuer. Auf dem Tisch vor ihnen liegen drei überdimensionale, abgebrannte
Zündhölzer, die von früheren, offenbar vergeblichen Versuchen zeugen, die
Flamme der Kunst zu entfachen: eines mit dem Kopf in Richtung des
verunglückten Malerautos, zwei sich kreuzende am unteren Bildrand; ferner
liegt dort ein unbenutztes Zündholz, dessen roter Kopf aus dem Bildraum
auffordernd in Richtung Betrachter zeigt. Zwischen ihnen befindet sich ein
von der Servierplatte gerutschtes Stück Sülze, das auf den Untertitel des
Bildes verweist und mit dem Immendorff auf zwei wesentliche Elemente der
„Plastischen Theorie“ seines Lehrers Joseph Beuys anspielt: Der Hase als
Symbol des sinnstiftenden Gedankens, Gelatine (hier in der Funktion des
„Bindemittels“) als Metapher für das elastisch-bewegliche Element des
Denkens. Jedem der drei Künstler ist eine Plastik zugeordnet: Beuys hält in
seiner Rechten eine Cellohülle, die auf die Fluxus-Auftritte und die
Zusammenarbeit mit Charlotte Moorman9 verweist, auf Duchamps zur Faust
geballten Linken steht die „Schachfigur“ eines Frauenaktes, Immendorff rückt
an dieser vorbei seine Doppelskulptur Die Flamme weiterreichen (1990), die
von einer liegenden Kerze gekrönt ist. Immendorff reagiert mit diesem Zug auf
das, was sich zwischen seinen Vorbildern Beuys und Duchamp abspielt, denn

„für mich geht die Reise weiter.“

1 Rudolf Schmitz: „Ich halte mich als richtige Sekunde bereit“, in: Jörg Immendorff, Kat.
Galerie Michael Werner, Köln 1990, unpag.
2 Rebell im Café Deutschland, in: Focus v. 25.05.1996.
3 Pamela Kort: Alleine und voller Glut, in: Jörg Immendorff. Bild mit Geduld, in: Kat.
Kunstmuseum Wolfsburg 1996, S. 34-46.
4 Jörg Immendorff: „Ein Künstler ist kein Kopf voller Ölfarben, die er mit sich rumschleppt“
Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks, in: Kunstforum International 125, 1994, S. 254-277.
5 Vgl. Jörg Immendorff: Lidlstadt, Düsseldorf 1968.
6 Siehe auch Bilder wie Malerfreund, 1985, Öl auf Leinwand, 285 x 250 cm [JI 592],
Galerie Michael Werner, Köln und New York.
7 Anja Lösel: Jörg Immendorff: Maler, Macher, Wirt, Mäzen, in: Stern 1994, 16, S. 97-103.
8 Von den bislang verwendeten Bezeichnungen für dieses Bildelement ist der von Veit Görner verwendete Begriff des
„Bildschirms“ (Kat. Kunstmuseum Wolfsburg 1996, S. 31) den irreführenden Bezeichnungen „Spiegel“ (Pamela Kort,
a.a.O., S. 37), "Tafel" bzw. „Gemälde“ vorzuziehen, zumal dieses Bild-im-Bild-Element in anderen Gemälden wie
denen der Café de Flore-Serie mit unterschiedlichen Motiven eine entsprechende Funktion erfüllt.
9 Siehe auch Pamela Kort, a.a.O., S. 45, Anm. 20.
10 Jörg Immendorff: „Ein Künstler ist kein Kopf voller Ölfarben, die er mit sich
rumschleppt“ Kunstforum International 125, 1994, S. 254-277.


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Werke im Kontext

Kleine Reise, 1997, Öl auf Leinwand, 100 x 140 cm,
Galerie Erich Bausmann, Mainz

Kein Licht für wen?, 1981, Öl auf Leinwand, 102 x 73 cm,
Privatsammlung

Naht, 1981, Öl auf Leinwand, 180 x 400 cm,
Kunstmuseum Düsseldorf

Zeig was Du hast
, 1983, Öl auf Leinwand, 76 x 106 cm,
Privatsammlung, Mailand

Solo
, 1988, Öl auf Leinwand, 200 x 150 cm,
Galerie Michael Werner, Köln und New York

Malerauto I, 1989, Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm,
Galerie Michael Werner, Köln

Malerauto III, 1989, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm,
Privatsammlung

Dienstantritt mit Malerauto, 1989, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm,
im Besitz des Künstlers

Die Flamme weiterreichen, 1990, Öl auf Leinwand, 130 x 100 cm,
Galerie Michael Werner, Köln

Readymade de I'histoire dans Café de Flore, 1987/88, Öl auf Leinwand, 150 x 175 cm,
Auckland Art Gallery, Auckland City



Courtesy: Dr. Holger Broeker
Kurator

Kunstmuseum Wolfsburg
Hollerplatz 1
D-38440 Wolfsburg
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Jörg Immendorff: Hört auf zu malen!

 

 

 

 



Jörg Immendorff:
Hört auf zu malen!
, 1966,
Kunstharz auf Leinwand, 135 x 135 cm,
Stedelijk Van Abbemuseum, Eindhoven

Jörg Immendorff: Malerauto I

Jörg Immendorff: Malerauto I,
1989, Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm,
Galerie Michael Werner, Köln

Jörg Immendorff: Malerfreund
Jörg Immendorff: Malerfreund,
1985, Öl auf Leinwand, 285 x 250 cm,
Privatsammlung

Jörg Immendorff: Naht

Jörg Immendorff: Naht, 1981,
Öl auf Leinwand, 180 x 400 cm,
Kunstmuseum Düsseldorf

Jörg Immendorff: Zeig was Du hast
Jörg Immendorff: Zeig was Du hast,
1983, Öl auf Leinwand, 76 x 106 cm,
Privatsammlung, Mailand

Jörg Immendorff: Readymade de I'histoire dans Café de Flore

Jörg Immendorff: Readymade
de I'histoire dans Café de Flore
,
1987/88, Öl auf Leinwand, 150 x 175 cm,
Auckland Art Gallery, Auckland City

Jörg Immendorff: Die Flamme weiterreichen
Jörg Immendorff: Die Flamme
weiterreichen
,
1990, Öl auf Leinwand, 130 x 100 cm,
Galerie Michael Werner, Köln

Jörg Immendorff: Kleine Reise
Jörg Immendorff: Kleine Reise
1997, Öl auf Leinwand, 100 x 140 cm,
Galerie Erich Bausmann, Mainz

 
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