PRESSEMITTEILUNG
In Isa Melsheimers zeltartigen, provisorischen Behausungen, ihren fragilen
Objekten aus Bruchglas oder ihren textilen Wandarbeiten ist der Bezug zur Architektur omnipräsent. In ihrem Werk berührt sie uns vertraute Themen wie urbane Situationen, öffentliche oder private Räume. Doch es sind die Leerstellen, die architektonischen Brüche, die Zufälligkeiten und „unbewussten Orte“ eines städtischen Umfelds, auf die sie ihren Blick fokussiert: Tiefgaragen, U-Bahnstationen, Parkplätze, verlassene Plattenbauten, Hotels oder Schlupfwinkel im privaten Kämmerlein. Vereinzelt streut sie Zitate visionärer, klassischer Architekturen aus aller Welt als Denkmäler einer vergangenen Ära in ihre installativen Anordnungen. Augenzwinkernd, manchmal auch ein wenig melancholisch, kreiert sie ein surreal anmutendes Paralleluniversum phantastischer Wohnlandschaften in der Technik des Samplings. Dabei verknüpft sie ganz selbstverständlich traditionell männliche Tätigkeiten des Bauens mit weiblichen Arbeiten wie Nähen und Sticken. Baumarktmaterialien wie Dachlatten, Spanplatten, Plastikplanen, Schaumstoff, Pappmaché, Zement, Glasscherben und Spiegelfolie gehören ebenso zu ihren Werkstoffen wie zarte Tücher, Stickgarn, Nähseide und Perlen.
Das Wichtigste in ihren Arrangements mit ihrem hintergründigen Sinn für Skurrilitäten und Absurditäten spielt sich auf Bodenniveau ab: Lebensräume entwickeln sich unter Bänken, Treppen und Brücken, in kleinen Kratern aus Pappmaché, in den unterirdischen Gefilden einer Galerie oder auf altmodischen Rosshaarmatratzen. Das Raumempfinden entspricht dabei häufig einem
„living-in-a-box“-Gefühl.
Die 1968 in Neuss geborene Baselitz-Schülerin stellt die Welt auf den Kopf,
kehrt das Innen nach außen, das Oben nach unten. Sie zwingt den Betrachter buchstäblich in die Knie. Ihre Modelle von einem „Leben in der Schachtel“ oder dem „Leben an Nicht-Orten“ üben – ohne erhobenen Zeigefinger – Kritik am System einer seelenlosen Wohnsiloarchitektur und der zunehmenden Kommerzialisierung von privatem Lebensraum. Sie untersuchen letztlich gesellschaftspolitische und psychosoziale Fragen eines Lebens ohne oder mit falschen Maßstäben.
In den jüngsten
Kompositionen von Interieurs wird dieser Eindruck durch das Absenken
des Blickniveaus auf Hunde- oder Krabbelkind-Perspektive und verschwommene
Spiegelungen glänzender Parkettböden ins Extreme gesteigert. Das Motiv
erscheint in der Spiegelung mehrfach gebrochen. Das streifige Nebeneinander
heller und dunkler Partien vermittelt vibrierende Bewegung. Die Aussschnitthaftigkeit
der Raumansicht kommt einer Illustration von Platons Höhlengleichnis
nahe.
Parallel zu den menschenleeren Modellwelten entfaltet die Künstlerin auf ihren patchworkartig zusammengenähten Tüchern in zeitaufwendigen, zarten Stickereien figurative, mit Landschafts- und Architekturelementen kombinierte Szenerien. Die Vorlagen ihrer Figuren- oder Tiermotive entnimmt sie Zeitungsausschnitten oder dem Internet. Die täglich auf uns einstürzenden, grausamen oder verführerischen Botschaften der schnellen, flüchtigen Bilder werden in der Verlangsamung der Bildentstehung verzögert, gebrochen.
Eine eigenständige Werkgruppe bilden die Gouachen. Auch hier manifestiert sich eine Bewältigungsstrategie für unsere informations- und bilderüberflutete Welt. Vor einem Panorama aus phantastischen Raumfluchten und psychedelischen Mustern treffen schwebende, springende und laufende Figuren, grotesk aussehende Tiere, Mangas und seltsame Pflanzen und Steine aufeinander. Die Vorlagen für die wie schlafwandlerisch durch die Räume geisternden Personen entnimmt die Künstlerin z.B. Filmfiguren japanischer Regisseure oder westlichen Modemagazinen.
Für das Mönchehaus-Museum hat Isa Melsheimer eine speziell auf die Museumsräume konzipierte Abfolge von Installationen, Stoffarbeiten, kristallinen Glasbergen und Gouachen entwickelt.
Zur Ausstellung erscheinen ein Katalog (64 Seiten), ein signiertes Plakat und drei VFK-Jahresgaben.
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Isa
Melsheimer
I 10.000
m
I 2007
I Installation
in situ
I weißes
Garn
I Nägel
Courtesy
Isa Melsheimer
I
Photo: B. Heinze

Isa
Melsheimer
I Zyklone
I 2006
I mehrteilige Installation
I Beton
I Styropor
I Holz
Glas
I Plastiktüten
I Plastikplanen
I Silikon
I Stramin
400
x 400 x 180 cm
I Courtesy
Isa MelsheimerI
Photo:
B. Heinze

Isa
Melsheimer
I Garten
I 2001
I
Installation
I
Stoff
I Schaumstoff
I Pappe
Holz
I Plastikfolie
I Plexiglas
I Ink-jet prints
I Leuchtstoffröhren
I
Nachtfalter
280
x 600 x 120 cm
I Courtesy
Museum Ludwig Köln I
Photo:
B. Heinze

Isa
Melsheimer
I Abgegolten
I 2001
I
Installation
I furnierte
Spanplatte
I Äste
I
Schaumstoff
Stoff
I
Pappröhrentrockene
I
Pflanzen
I Bast
I Plastikfolie
I Plexiglas
I
Weingläser
I
Leuchtstoffröhre
200
x 100 x 65 cm
I Courtesy
Bonnefantenmuseum Maastricht I
Photo:
B. Heinze
 
Isa
Melsheimer, Städte, 2002, Pappmaché und andere
Materialien
Durchmesser
60 cm, Höhe 35 cm (Kübel), 180 x 160 cm (Standfläche)
Leihgabe:
FUTURE7, Berlin

Isa
Melsheimer, Städte, 2002, Pappmaché und andere
Materialien
Durchmesser
60 cm, Höhe 35 cm (Kübel)
Leihgabe:
FUTURE7,
Berlin

Isa
Melsheimer, Installationen, Objekte und Gouachen
Ausstellungseröffnung
I Mönchehaus Museum
Goslar I Februar 2007
Isa
Melsheimer und Bettina Ruhrberg - Blumen
für die Künstlerin

Isa
Melsheimer, Installationen, Objekte und Gouachen
Ausstellungseröffnung
I Mönchehaus Museum
Goslar I Februar 2007
Dr.
Bettina Ruhrberg Direktorin Mönchehaus
- Die Eröffnungsrede
 
Isa
Melsheimer, Installationen, Objekte und Gouachen
Ausstellungseröffnung
I Mönchehaus Museum
Goslar I Februar 2007
Isa
Melsheimer signiert
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