PRESSEMITTEILUNG
Ausstellungseröffnung
am Samstag, dem 15. 07. um 18 Uhr in Anwesenheit der Künstlerin, es sprechen Dr.
Bettina Ruhrberg, Direktorin Mönchehaus-Museum für moderne Kunst Goslar und Carl-
Friedrich Schröer, Kunstjournalist und -publizist, Bonn
Seit den 80er Jahren
macht die 1957 in Marl geborene Meisterschülerin von Gerhard Richter mit
vermeintlich realistisch gemalten Bildern von Tieren, Früchten, Landschaften und
Interieurs auf sich aufmerksam. Karin Kneffel lebt und arbeitet in Düsseldorf und
lehrt seit 2000 an der Hochschule der Künste in Bremen.
In Kneffels Arbeiten
entwickelt die – auf den ersten Blick – altmeisterlich beschreibende
gegenständliche Malerei bei genauem Hinsehen eine faszinierende Spannung, ein
unterschwellig wirkendes irrationales Moment. Es lässt die gezeigte Szenerie
rätselhaft, befremdlich erscheinen. Auf der einen Seite dokumentieren Kneffels
Werke ihr beeindruckendes technisches Vermögen, das Bildmotiv scheinbar perfekt
wiederzugeben. Auf der anderen Seite führen ihre Wahl des Blickwinkels, des
Bildausschnitts oder die Monumentalisierung bestimmter Motive zu überraschend
neuen Perspektiven. Das scheinbar Vertraute wird unmerklich zum Fremden. In ihren
Obststillleben – eine Gattung, die die Künstlerin seit rund zehn Jahren immer
wieder aufs Neue interpretiert -, monumentalisiert sie die Früchte durch extreme
Nahsicht. Damit gibt sie ihnen eine formatsprengende Präsenz. Die artifizielle und
doch sinnliche Wirkung ihrer Bilder verführt den Betrachter und distanziert ihn
gleichermaßen. Ihre Interieurs betören durch ornamentale Flächen von kostbar
erscheinenden Teppichen, auf denen sich edle Hunde räkeln oder ruhig verweilen.
Doch die großbürgerlich anmutende Szenerie erhält durch vielfältige
Lichtbrechungen und das raffinierte Spiel mit unterschiedlichen Perspektiven eine
irritierende Räumlichkeit.
In den jüngsten
Kompositionen von Interieurs wird dieser Eindruck durch das Absenken des
Blickniveaus auf Hunde- oder Krabbelkind-Perspektive und verschwommene
Spiegelungen glänzender Parkettböden ins Extreme gesteigert. Das Motiv erscheint
in der Spiegelung mehrfach gebrochen. Das streifige Nebeneinander heller und
dunkler Partien vermittelt vibrierende Bewegung. Die Aussschnitthaftigkeit der
Raumansicht kommt einer Illustration von Platons Höhlengleichnis nahe.
Der Widerspruch
zwischen der vermeintlichen Selbstverständlichkeit naturgetreuer Wiedergabe der
Gegenstände und der Verunsicherung durch malerische Mittel wie Monumentalisierung,
Perspektivwechsel, Spiegelung, Verwischung, Verzerrung und Unschärfe belegt den
konzeptuellen Hintergrund von Kneffels nur vordergründig lukulisch-festlich
erscheinender Malerei.
Die Ausstellung mit ca.
200 Exponaten konzentriert sich auf die Interieurs der letzten Werkphase der
Künstlerin. Sie umfasst daneben Stilleben, Tier- und Landschaftsbilder sowie
Aquarelle aus allen Schaffensperioden.
Das Mönchehaus-Museum
in Goslar ist dritte und letzte Station der bisher überaus erfolgreichen
Ausstellungstournee, die im Ulmer Museum begonnen hat und im Sinclair-Haus in Bad
Homburg weitergeführt wurde.
Die Übernahme wird in
Goslar durch großformatige Gemälde und Aquarelle aus der Sammlung Frieder Burda
(Museum Frieder Burda, Baden-Baden) ergänzt, die der Sammler einzig für diese
Station zur Verfügung gestellt hat.
Zur Ausstellung
erscheinen ein Katalog
im Wienand Verlag zum Preis von EUR 29.– sowie eine Vorzugsausgabe mit
einer Farbradierung zum Preis von EUR 140.–. Exklusiv für das Mönchehaus-Museum
erscheint außerdem eine handsignierte Offsetlithographie zum Preis von
EUR 20.–
Zusätzlich bietet das
Mönchehaus-Museum zahlreiche Editionen an: Obststilleben, Tierköpfe, Interieurs
und Figurendarstellungen in der Preisspanne von EUR 140.– bis EUR 800.-
Am 14. September findet
um 19.00 Uhr ein Künstlergespräch zwischen Karin Kneffel und Dr. Bettina Ruhrberg
im Mönchehaus-Museum statt.
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