Einblick 11.
10. 2008 23. 11. 2008
Fotografien
aus der Sammlung der Städtischen Galerie Wolfsburg Ausstellung
im Mönchehaus Museum
Goslar
Ein
Sammlungsschwerpunkt der Städtischen
Galerie Wolfsburg liegt auf dem Medium
Fotografie. Aus
der Überzeugung heraus, dass wichtige Impulse für die
Gegenwartskunst durch
die Auseinandersetzung
mit Fotografie entstanden sind,
wurden im Schloss Wolfsburg schon Anfang der
70er Jahre fotografische Projekte
organisiert. Viele zeitgenössische Arbeiten brechen die Unterschiede
zwischen
den traditionellen Medien Malerei, Skulptur, Zeichnung und Fotografie auf,
und
die Künstler bewegen sich zunehmend frei zwischen den einzelnen Medien
oder kombinieren sie
zu neuen Formen.
Für
diesen produktiven Austausch zwischen den Medien stehen die Künstler der
Sammlung.
So bilden herausragende Vertreter wie Sigmar
Polke mit seiner Reflexion
des Mediums Fotografie mittels der Malerei oder auch Anna
und Bernhard Blume
als avancierte Vorreiter der Fotoperformance wichtige Schwerpunkte.
Besonders
die Minimal-Art
und die Konzeptkunst der 70er Jahre trugen weiter zur
Anerkennung der Fotografie bei, die oft in seriellen Abfolgen präsent war.
Ein
solches serielles Vorgehen entspricht dem wissenschaftlich-analytischen Prozess,
wie er in der äußerst sachlichen, objektivierenden Bildauffassung des
Düsseldorfer
Künstlerpaars Bernd
und Hilla Becher verfolgt wird. Die in der Ausstellung
präsentierten Aufnahmen von Fachwerkhäusern aus dem Siegerland waren
das erste Sujet, das die Bechers als typologischen Zyklus veröffentlichten.
Neben
einer thematischen Konzentration auf Nutzbautypen ist das systematisierte Aufnahmeverfahren
der isoliert hervortretenden Motive und das Festhalten an der Schwarzweißfotografie
für das Werk von Bernd und Hilla Becher kennzeichnend.
Der
im letzten Jahr verstorbene Bernd Becher wirkte von 1976 1996 als Professor
für
Fotografie an der Staatlichen
Kunstakademie Düsseldorf. Zu seinen ersten Studenten
zählten neben dem diesjährigen KaiserringpreisträgerAndreas
Gursky, Candida
Höfer und Thomas Ruff, die beide mit Werken in der Ausstellung vertreten
sind.
Neutralität
und Distanz, ein nüchterner Blick auf die Welt sind die charakteristischen
Merkmale
für die Werke der sogenannten Becherschule.
Während das Hinterfragen der
Fotografie die Werkreihen von Thomas Ruff bestimmt, konzentriert sich Candida
Höfer
auf die Dokumentation von menschenleeren Innenräumen.
Zu
den hier vorgestellten Becherschülern, nunmehr bereits in der
zweiten und dritten
Generation, zählen ebenso Jörg Sasse, Boris Becker, Laurenz Berges und
Michael
Reisch.
Die
verschiedenen bildanalytischen Ansätze der analogen Fotografie wurden durch
die
in den 90er Jahren hinzukommenden digitalen Möglichkeiten außerordentlich
erweitert,
zuweilen auch revolutioniert. So bricht Heidi Specker in ihren Architekturauf- nahmen
den Dokumentationscharakter des Mediums durch digitale Nachbearbeitung. Noch
einen Schritt weiter geht Michael Reisch, der mit teilweise extremen Eingriffen
ein
eigenes Bild von Landschaft zusammenstellt. Wirklichkeit und Simulation sind ebenso
das Thema der inszenierten Landschaftsaufnahmen von Sonja Braas.
Die
hier vorgestellte Auswahl, die durch Leihgaben der Sammlung
Bernd F. Künne bereichert
wird, beabsichtigt keinen Überblick, sondern will gleich einem Einblick
- die
unterschiedlichen Stilrichtungen, bildanalytischen Ansätze und subjektiven
Sichtweisen
der Künstler in einen produktiven Dialog treten lassen, um mehr über
die
Bedingungen von Repräsentation und Konstruktion, Virtualität und Realität
und den
individuellen Ausdruck von Fotografie im Zeitalter des digitalen Bildes zu erfahren.
Boris
Becker -
Ohne Titel (Nr.1631), 1999, C-Print, hinter Diaplex, 160 x 222 cm Einblick
- Fotografien aus der Sammlung der Städtischen Galerie
Wolfsburg Ausstellung
im Mönchehaus Museum Goslar
Michael
Reisch -
Landschaft 1/008, 2002, C-Print, Diasec, 85 x 120 cm Einblick
- Fotografien aus der Sammlung der Städtischen Galerie
Wolfsburg Ausstellung
im Mönchehaus Museum Goslar
Sonja
Braas -
Forces #23, 2002, 170 x 150 cm Einblick
- Fotografien aus der Sammlung der Städtischen Galerie
Wolfsburg Ausstellung
im Mönchehaus Museum Goslar
Jörg
Sasse - W-92-9304, Hildesheim, 1992, C-Print,
28 x 38 cm Einblick
- Fotografien aus der Sammlung der Städtischen Galerie
Wolfsburg Ausstellung
im Mönchehaus Museum Goslar
Matthias
Hoch - Paris #15, 1999, C-Print, 100
x 121 cm Einblick
- Fotografien aus der Sammlung der Städtischen Galerie
Wolfsburg Ausstellung
im Mönchehaus Museum Goslar
Thomas
Ruff - Portrait (Leontine Coelewij),
1988, Cibachrom, 159 x 120 cm auf 202 x 160 cm Einblick
- Fotografien aus der Sammlung der Städtischen Galerie
Wolfsburg Ausstellung
im Mönchehaus Museum Goslar
Die
Städtische
Galerie zeigt im Schloß Wolfsburg seit 1974 hochrangige Werke der modernen
Kunst. Ausgehend von der Nachkriegsavantgarde dokumentiert die Galerie in
ihren Bestandsausstellungen Werke, die auf vielfältige Weise das breite Spektrum
zeitgenössischer
Kunst widerspiegeln. Wechselnde Ausstellungen ergänzen das Angebot der
Sammlung. Die
Städtische Galerie bildet ein Forum zur Auseinandersetzung mit zeitgenössischer
Kunst
für Einzelbesucher und Gruppen jeder Altersstufe. Ziel
der Sammlung und Wechselausstellungen ist es, ein lebendiges Bild von der Qualität
und
Entwicklung moderner Kunst zu vermitteln.