Hinter den drei Großbuchstaben der SAMMLUNG FER COLLECTION verbergen
sich der Vor- und Zuname des süddeutschen Unternehmers Friedrich Erwin
Rentschler. Als Sammler ist er ein Überzeugungstäter, der schon in jungen
Jahren angefangen hat, Kunstwerke zu erwerben, weil er das schöpferische
Potenzial der Kunst schätzt. Als der Vater ihn zum bestandenen Abitur
mit einem Geschenk eigener Wahl belohnen will, schwankt der junge Rentschler
zwischen dem Wunsch nach einer gotischen Barbara und der Lust auf ein
Motorrad. Er entscheidet sich für die Heiligenfigur, was den Vater freut,
der das für eine „vernünftige“ Wahl hält. Für Rentschler aber ist diese
Entscheidung viel mehr. Sie wird zur unumkehrbaren Initiation in eine
bis heute andauernde Sammlerkarriere.
Kunst ist
für den promovierten Pharmazeuten und Laupheimer Pharma-Unternehmer
nicht schöne Dekoration, sondern eine Einladung zu einem ihn fordernden
Dialog. In der Kommunikation mit der von ihm gesammelten Kunst trainiert
er Geist und Gefühl. Sie schließt ihm gleichermaßen Kopf, Herz und Seele
auf. So entwickelte der junge Unternehmer auch sehr bald den Mut, Neues
zu sammeln. Kunst, die nicht schon durch die Geschichte abgesegnet ist,
sondern in den Medien und der Kritik noch kontrovers verhandelt wird.
Ein Beispiel: Als viele den „Date Paintings“ von On Kawara ziemlich
ratlos gegenüber stehen, ist Rentschler fasziniert von der Lakonie,
mit der sie das große Thema der vergehenden Zeit verhandeln, und kauft
sie zu einem Preis, der einen Bruchteil ihres heutigen Wertes ausmacht.
So sind die
in den sechziger Jahren entstehenden Kunstrichtungen der Minimal und
der Concept Art in der SAMMLUNG FER COLLECTION in hervorragender und
prominenter Weise vertreten. In ihr finden wir Werke der amerikanischen
Künstler Carl Andre, Sol LeWitt, Josef Kosuth und Dan Flavin. Methodisch
und analytisch stellen sie den traditionellen Kunstbegriff in Frage
und streben nichts weniger an als eine normative Ästhetik mit ultimativen
ästhetischen Formen und Formeln. Aber auch an der zur selben Zeit in
Italien entstehenden Arte Povera findet der Sammler Gefallen, die mit
„armen“, alltäglichen Materialien mythische Bilder und Installationen
schafft. Mit Giovanni Anselmo, Luciano Fabro, Jannis Kounellis, Giulio
Paolino und Mario Merz, Kaiserringträger 1989, vereint Rentschler einmal
mehr Großmeister dieser Kunstrichtung in seiner Sammlung.
Auch in den
folgenden Jahrzehnten beweist der Sammler ein gutes Gespür für künstlerische
Qualität. Sei es nun, dass er weiter Werke der von ihm favorisierten
Künstler kauft, deren Kreis er um Hanne Darboven, Alighiero Boetti und
Hans-Peter Feldmann erweitert. Oder dass er sich auf Künstler wie Elaine
Sturtevant, Sylvie Fleury und John Armleder konzentriert, die das Verhältnis
von Kunst und Ware kritisch reflektieren. Aber natürlich geht es, wie
es in der Kunst nicht anders sein kann, immer auch um die singuläre
Persönlichkeit jenseits von jeder Gruppenbildung. Und da finden wir
in der SAMMLUNG FER COLLECTION gleichfalls ein breites Spektrum großartiger
Künstler von Jean Tinguely über Keith Haring bis hin zu Rineke Dijkstra.
Für das Mönchehaus
Museum Goslar ist es eine Freude und Ehre, seinen Besuchern Glanzstücke
aus dieser hervorragenden Sammlung zeigen zu dürfen.
Es erscheint ein Katalog, 64 Seiten, mit zahlreichen Farbabbildungen.
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