2015

Ren Ri

Mit dem  jährlich vergebenen Kaiserring-Stipendium fördert das MönchehausMuseum seit 1984 junge Künstler.

Ren Ri entwickelt seine Kunstwerke ausschließlich im Zusammenspiel mit lebenden Bienen. Seine Reliefs und Skulpturen aus Bienenwaben ebenso wie seine Videos entstehen in einem Prozess des gelenkten Zufalls.

Der 31-jährige Künstler ist neben seinem Studium in China und Russland auch diplomierter Imker und verfügt über langjährige Erfahrung im Umgang mit Bienenvölkern. Und dennoch überraschen die Ergebnisse seines Tuns nicht nur Kunstbetrachter, sondern selbst erfahrene Imker.

Bekannt geworden ist Ren Ri mit der Werkserie „Yuansu. Der Titel der Werkserie ist bedeutet „Gestalt des Lebens“. „Yuan“ steht dabei für „Element“ und „su“ bedeutet „Form“.

In Yuansu I (2007-2011) ließ Ren Ri von Bienen Landkarten aus Honigwaben bauen. In der Skulpturenserie Yuansu II (2013-15) platzierte Ren die Königin eines Bienenvolkes in der Mitte einer Kiste. Den von ihrem Volk errichteten Bau veränderte Ren in Anlehnung an die biblische Schöpfungsgeschichte alle sieben Tage, indem er die Position der Königin in der Kiste veränderte. Der Platz der Königin und damit auch die eigentliche Form der Skulptur fand Ren nach dem Zufallsprinzip: die Augenzahl eines Würfels entschied. Auf diese Weise entstanden phantastische Formationen, die an die Unterwasserwelt erinnern. Für ihn ist sie in einem umfassenden Sinn Ausdruck für das Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur.„Nur durch die Interaktion, in die ich mit den Bienen trete, erlebte ich die strukturelle Beziehung, die dem Ursprung des Lebens innewohnt.“ So formuliert es Ren selbst.Es sind Prozesse des Eingreifens, der Zerstörung, aber ebenso der Schöpfung, die aus diesem Zusammenspiel entstehen.

In dem Video Yuansu III (2015) interagiert Ren Ri direkt mit den Bienen: Sie lassen sich in bestimmten Formationen auf seinem Körper und seinem Gesicht nieder. In einem weiteren Video stechen drei Bienen dem Künstler ins Gesicht. Im Zeitraffer sieht man das Werden und Vergehen seiner Gesichtsschwellungen.

Bienen ebenso wie der süße Honig haben in der Kunst seit längerer Zeit Konjunktur: Joseph Beuys richtete 1977 auf der documenta 6 sein berühmtes Werk  einer „Honigpumpe am Arbeitsplatz“ ein. 1979 erhielt er den Kaiserring. Jörg Immendorff, Kaiserringträger im Jahre 2006, wählte die Biene – altdeutsch Imme – in Anspielung an den eigenen Namen sogar zum künstlerischen Alter Ego. Und Rosemarie Trockel, 2011 mit dem Kaiserring geehrt, erschuf 1998 gemeinsam mit Carsten Höller ein futuristisches Bienenhaus. Und erst jüngst (seit 2011) siedelte die Künstlergruppe„Finger“ auf dem Dach des Frankfurter Museums für Moderne Kunst zwölf Bienenvölker an.


Werke

© Ren Ri, courtesy: Pearl Lam Galleries, Hongkong, Shanghai, Singapur


Das Kaiserringstipendium 2015 wird durch die AKB Stiftung in Einbeck gefördert

AKB_stiftung