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Museum, Ausstellung,

Gerd Winner
“Goslar – von hier aus”
Virtuelle 3D Ausstellung

Die Ausstellung Goslar – von hier aus ist kein Produkt eines Reiseberichtes, vielmehr in ihren Segmenten verschlüsselt ein künstlerischer Lebensweg mit einer komplexen Fülle von Anfragen an die Urbanität unserer Kulturen.


London + Berlin

London forderte mich bereits Ende der 60er Jahre heraus. Die Docklands faszinierten mich, wo ich im Studio eines Künstlerkollegen arbeitete. Meine Fahrt dorthin führte mich durch die Thomas More Street. Das auf die Straße geschriebene SLOW warnte den Autofahrer vor einer unübersichtlichen Kurve. Hoch aufragende Mauern schienen wie eine Szenerie des Endspiels von Samuel Beckett. Thomas Morus blieb nachhaltig in meinem Kopf. Sein Stadtroman UTOPIA war ein gedeutetes Idealbild einer Stadt. Der Bildzyklus SLOW ist Thomas Morus gewidmet.

In Berlin entstand 1970 die erste Suite einer Stadt in meinem Werk. 1987 entwarf ich dann zur 750-Jahr-Feier eine Folge von Siebdrucken mit Motiven des Reichstags und des Brandenburger Tors. Nach der Wende entstanden Bilder des Brandenburger Tores, mit dem nunmehr geöffneten Zugang. Die Farbgebung mit rot- schwarzen und gelben Strukturen verbindet die geschichtliche Deutung mit einer Hoffnung auf Frieden.


New York

1972 führte mich die Spurensuche nach dem Idealtopos der Stadt in die Alphastadt New York. Bei Johannes auf Patmos war die himmlische Stadt Jerusalem in monumentalen Dimensionen beschrieben. 400 Stadien hoch, breit und lang, ein monumentaler Kubus mit dem Lamm Gottes im Zentrum. Meine künstlerischen Anfragen galten diesen Dimensionen der apokalyptischen Visionen – in einer real erfahrbaren Stadt. Die Metamorphose des Times Square in Manhattan beschäftigte mich einen langen Zeitraum, von 1972 bis 1999. In der Goslarer Ausstellung sind ausgewählte Exponate dieses Arbeitszyklus um den Times Square ausgestellt. Das „New Amsterdam“ der 42nd Street verweist auf den ursprünglichen holländischen Ursprung der Stadt. Jenseits aller Utopien stellte ich meine Befragungen an die Realität dieser Metropole, im Zeitraffer der wandelbaren Strukturen des Kulturzentrums.


Paris

1999, zurück aus New York, kehrte ich mit meinen Bildwelten an die Ursprünge meines künstlerischen Weges zurück nach Paris. Mit unserem Lehrer für die bildende Kunst am Braunschweiger Gymnasium reisten wir 1955 dorthin und sahen die Inkunabeln der modernen französischen Kunst. Robert Delaunays Bilder vom Eiffelturm beschäftigten mich nachhaltig. Zurück in Braunschweig begann ich in meiner Freizeit zu malen. Zum Abschluss der 13. Klasse bereiteten die Schüler eine Ausstellung vor. Bei der Durchsicht meiner Papierarbeiten fragte mich unser Lehrer überrascht, wann ich diese angefertigt hätte. „Nach dem Studienaufenthalt in Paris“, war meine knappe Antwort. „Mit dieser Mappe von Arbeiten hättest Du Chancen, an der Kunstakademie zugelassen zu werden“, erwiderte er. So sandte ich Arbeiten an die Hochschule für bildende Künste in Berlin und erhielt im April 1956 eine Zusage. Während meines Studiums verbrachte ich in der vorlesungsfreien Zeit meine Studienaufenthalte in Paris.


Goslar – von hier aus

Goslar – von hier aus – zeigt eine neue Serie mit historischen Gebäuden dieser vom Fachwerk geprägten Stadt.

Die Bauprinzipien des Fachwerks waren mir seit meiner Kindheit in Braunschweig vertraut, überlagert von den Ruinen des Bombenkrieges. Möglicherweise lag in dem Verlust des heimatlichen Ambientes eine Abwehr gegen eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Fachwerk. So hatte ich mich in den 80er Jahren mit den industriellen Bauten des Goslarer Bergwerkmuseums auseinandergesetzt, aber bis dato nicht mit mittelalterlichen Gebäuden. Über einen langen Zeitraum hatten sich jedoch Goslar-Bilder im Kopf ausgebildet: das Große Heilige Kreuz, die Goslarer Marktkirche, die Neuwerkkirche, die Ansichten der Kaiserpfalz, das Mönchehaus Museum mit den Projektionen von Innen- und Außenraum und die Annenkapelle.


Texte von Gerd Winner
3D-Modelle von illustrated-archictecture