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Ausstellung, 08. Oktober 2011 — 15. Januar 2012 

Rosemarie Trockel – Kaiserring­trägerin der Stadt Goslar 2011

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Ausstellungsansichten

Fotos: Sascha Engel


Die Trägerin des Goslarer Kaiserringes im Jahre 2011 heißt Rosemarie Trockel. Die 1952 in Schwerte (D) geborene Künstlerin gehört seit den frühen 1980er Jahren zu den vielseitigsten und innovativsten Persönlichkeiten der internationalen Kunst. Ihr transmediales künstlerisches Werk umfasst Bilder und Zeichnungen, Plastiken, Skulpturen und Objekte sowie Videoarbeiten und Installationen. Ihre Arbeiten sind weder auf eine künstlerische Gattung beschränkt, noch lassen sie sich auf eine Stilrichtung festlegen.

Nach einem Studium der Malerei an der Fachhochschule Köln (1974 –78) machte Rosemarie Trockel ihre ersten künstlerischen Schritte in unmittelbarer Nachbarschaft der Künstlergruppe „Mühlheimer Freiheit“. Ab Mitte der 1980er Jahre entstanden Strickbilder und Strickobjekte, mit denen sie international bekannt wurde. Nach ihren Entwürfen liess sie auf Maschinen Wollstoffe stricken, die sie – auf Keilrahmen aufgezogen – wie Gemälde an der Wand präsentierte. Eine weitere Werkgruppe, die insbesondere in den 1990er Jahren entstand, besteht aus Wandarbeiten und Skulpturen, in denen herkömmliche Herdplatten Verwendung finden. Über die Strickbilder und Herdplatten-Arbeiten hat sich die Vorstellung von Rosemarie Trockel als einer Künstlerin verfestigt, die sich kritisch mit Frauenfragen befasst, die Rollenbilder von Frauen in der Gesellschaft hinterfragt und engagiert an ihrer Dekonstruktion arbeitet.

Doch das Werk von Rosemarie Trockel geht weit über diese Aspekte hinaus. In seiner Vielfalt entzieht es sich allen Versuchen, es nach herkömmlichen Kriterien zu charakterisieren. Rosemarie Trockel ist ebenso Malerin wie Zeichnerin, Bildhauerin oder Konzeptkünstlerin. Ihre erste Einzelausstellung, 1983 in den Galerien Philomene Magers in Bonn und Monika Sprüth in Köln, bestückte die Künstlerin mit Skulpturen, die seither mit wechselnder Intensität entstehen. Malerische Verfahren sind erst in den letzten Jahren in nennenswertem Umfang zur Anwendung gekommen. Ihr zeichnerisches Werk dagegen zieht sich durch die gesamte Zeit ihres künstlerischen Schaffens und ist ausgesprochen reich an Umfang und Varianten. Zudem erweitern Installationen, konzeptuelle und handwerkliche Objekte, Druckgrafiken, Editionen, Videos, Filme, Fotoarbeiten und Buchentwürfe das Spektrum – und nicht vergessen werden dürfen die immer wieder realisierten Gemeinschaftsarbeiten mit Künstlerinnen und Künstlern, auch mit Schriftstellern.

Rosemarie Trockel hat sich in ihrem Œuvre immer wieder mit Theorien der Anthropologie, der Soziologie und der Wissenschaftstheorie auseinandergesetzt. Dabei steht sehr früh auch das Motiv des Tieres im Zentrum ihres Interesses. Wie eine Gesellschaft mit dem Tier umgeht, ist für die Künstlerin ein Gradmesser für den erreichten Zustand ihrer Humanität und Zivilisierung. „Jedes Tier ist eine Künstlerin“ nennt sie im Jahre 1993 eine ihrer Ausstellungen und kontert damit provokant den bekannten Satz von Joseph Beuys „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Auf der Kasseler documenta 1997 baut sie zusammen mit Carsten Höller ein viel beachtetes „Haus für Schweine und Menschen“, auf der Expo 2000 in Hannover verwirklicht sie mit ihm das Projekt „Augapfel – Haus für Taube, Mensch und Ratte“.

Das Werk von Rosemarie Trockel wurde darüber hinaus in zahlreichen bedeutenden Ausstellungen in Europa und den USA präsentiert. 1988 stellte sie im Museum of Modern Art in New York und 1991 im Museum of Contemporary Art in Chicago und im Institute of Contemporary Art in Boston aus. 1999 nahm sie als erste Frau im Deutschen Pavillon an der Biennale von Venedig teil. 2006 zeigte das Museum Ludwig in Köln die große Retrospektive „Post-Menopause“ und 2010 die Kunsthalle Zürich „Verflüssigung der Mutter“. Seit 1998 ist Rosemarie Trockel Professorin an der Kunstakademie Düsseldorf.

Die Ausstellung im Goslarer Mönchehaus Museum stellt Zeichnungen und Collagen der Künstlerin in den Mittelpunkt. Die Zeichnung, der sie sich während ihrer Ausbildung intensiv widmete, bleibt bis heute ein eigenständiger Bereich innerhalb ihres künstlerischen Schaffens. Sie zieht sich wie ein roter Faden von Beginn an bis heute durch ihr Werk. Die Zeichnung ist für Rosemarie Trockel eine Art Labor, in dem sie ihre Ideen und Motive untersucht.

Darüber hinaus werden einige Skulpturen aus verschiedenen Werkphasen sowie zahlreiche Buchentwürfe seit Anfang der 1970er Jahre gezeigt. Die Ausstellung enthält außerdem neuere Arbeiten der Künstlerin, die in Goslar erstmalig präsentiert werden.

Zur Ausstellung erscheinen ein Katalog im Distanz Verlag, 96 Seiten, € 19,90 sowie eine VFK-Jahresgabe mit dem Titel „The Steinem Look“.


Werke

Alle Abbildungen – © Rosemarie Trockel, VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Courtesy: Sprüth Magers Berlin London


Ausstellungseröffnung

Rosemarie Trockel im Mönchehaus Museum Goslar
Fotos: S. Engel