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Ausstellung, 15. Dezember 2013 — 16. Februar 2014 

Monika Falke – Farblicht

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Werke

Studioausstellung im Mönchehaus Museum am Rosentor
Alle Abbildungen © Monika Falke


Die Zugehörigkeit von Monika Falke zur renommierten Künstlerliste der Galerie Marika Marghescu ist sprechend genug. Bevor die angesehene hannoversche Galerie schloss, weil ihre Leiterin aus Altersgründen in ihre Heimat Ungarn zurückkehrte, gehörten zu den Künstlern der Galerie u. a. Nicola de Maria, Pierre Aléchinsky, Bram van Velde, Antoni Tàpies, Eduardo Chillida, Günther Uecker und eben auch Monika Falke. Künstler, deren Werke bei aller Unterschiedlichkeit eine entschiedene Hinwendung zum Spirituellen eint. Zu dem, was Kandinsky einst als das „Geistige in der Kunst“ beschrieben hat. Einer solchen Kunst geht es nicht um die Repräsentation eines Sichtbaren, sondern um das Sichtbarmachen von Kräften und Energien, die formend und prägend unsere Wirklichkeit und unser Leben bestimmen.

Überflüssig zu sagen, dass die Hebelkräfte, denen eine solche Kunst folgt, eher im Abstrakten als im Konkreten, eher im Unsichtbaren als im Sichtbaren beheimatet sind. Auch im Falle der Bilder von Monika Falke ist Letzteres nur scheinbar ein Paradox. Denn das Sichtbare und das Unsichtbare bilden für die Künstlerin, nicht anders als die Fülle und die Leere, ein unauflösliches Tandem. Darin zeigt sich eine dialektische Sichtweise, die mehr vom Zen-Buddhismus als von Hegelscher Philosophie geprägt ist, und die Falke bei Aufenthalten in Japan gelernt hat. Wenn diese Künstlerin einen Sonnenaufgang malt, dann malt sie keine meteorologische Erscheinung, sondern das Erlebnis eines Strahlens im Bewusstsein. Das Licht, an das unsere Erfahrung von Farbe gebunden ist, bleibt in ihren Bildern nie bloßes physikalisches Phänomen, sondern wird gewissermaßen ins Metaphysische erhoben.

Insofern verkehrt sie auch die Rolle, die wir traditionell der Farbe zuweisen. Die Welt farbig sehen, so heißt es, bedeute, sie durch das Prisma des Gefühls zu sehen. Falke sieht Farbe aber eher durch das Auge des Geistes. Etwa so wie es das Motto Robert Storrs für die von ihm 2007 kuratierte Venedig-Biennale verkündete: Think with the Senses, Feel with the Mind. Diese Spiritualisierung der Farbe erkennt man in jedem ihrer Bilder. Monika Falkes zart lasierende Malerei bleibt in harmonischen Bezugsfeldern und vermeidet alles koloristische Auftrumpfen. Sogar wenn in ihren neuen Bildern ein kaltes Blau und ein warmes Rot zusammentreffen oder ein Grün, ein Blau und ein Rot, gelingt es ihnen, eine gemeinsame Farbtemperatur zu entwickeln, die frei ist von jeglicher Dissonanz. Die Kompositionen der Künstlerin erscheinen als eindrucksvolle Embleme eines ebenso freien wie befriedeten Geistes.

Auch die konstruktiven Formen und Felder ihrer Bilder tauchen in diesem Werk keineswegs aus ideologischen Gründen auf, sondern dienen allein als Bühnen für den Auftritt der Farbe. Kein Wunder, dass Monika Falke sie übermütig hin und her schwingen lässt, als folge sie dabei der schönen Empfehlung von Karl Marx, der meinte, man müsse den Verhältnissen nur ihre ureigene Melodie vorspielen, um sie zum Tanzen zu bringen. Eine solche Heiterkeit eignet auch ihren schwarzweißen Bildern, die von Licht überströmt, keinen film noir inszenieren, sondern lauter kleine Epiphanien. In ihnen bahnt sich das Licht seinen Weg ebenso unaufdringlich wie unwiderstehlich. Hell und Dunkel werden in ihnen geschieden wie in der Schöpfungsgeschichte. Und damit ist der entscheidende Schritt vom Chaos zum Kosmos gemacht.

Michael Stoeber

„Ich versuche mit meiner Arbeit, Sinnlichkeit der Malerei mit einem philosophischen Verständnis zu verbinden. Dem Menschen, dem Sein, gilt mein primäres Interesse. Deshalb keine Gegenständlichkeit, sondern Ausloten der Reduktion, um zu sehen und zu spüren, was dann noch an Erfahrung bleibt. Die Fülle in der Leere und zugleich die Leere als Erfahrung innerer Stille – um zu eigener innerer Klarheit im Denken, Handeln zu kommen. Die italienische Freskomalerei von Fra Angelico und Pontormo u.a. haben mich immer wieder fasziniert und in ähnlicher Weise die sanften Farbnuancen in der japanischen Tuschmalerei. Die Analyse der Kalligrafie hat mich zu den senkrechten Strichen geführt. Ich habe sie zunächst in Schwarz, dann aber in Weiß gemalt, als eine subtile innere Kraft, die nicht mit Schwarz, wohl aber mit Weiß spürbar werden kann.“ Monika Falke


Vernissage

Fotos: G. Kortlüke


Künstlergespräch

Fotos: G. Kortlüke