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Ausstellung, 15. Juli — 24. September 2006 

Karin Kneffel – Verführung und Distanz

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Ausstellungsansichten

Fotos: Bernhard heinze, Weddingen


Seit den 80er Jahren macht die 1957 in Marl geborene Meisterschülerin von Gerhard Richter mit vermeintlich realistisch gemalten Bildern von Tieren, Früchten, Landschaften und Interieurs auf sich aufmerksam. Karin Kneffel lebt und arbeitet in Düsseldorf und lehrt seit 2000 an der Hochschule der Künste in Bremen.

In Kneffels Arbeiten entwickelt die – auf den ersten Blick – altmeisterlich beschreibende gegenständliche Malerei bei genauem Hinsehen eine faszinierende Spannung, ein unterschwellig wirkendes irrationales Moment. Es lässt die gezeigte Szenerie rätselhaft, befremdlich erscheinen. Auf der einen Seite dokumentieren Kneffels Werke ihr beeindruckendes technisches Vermögen, das Bildmotiv scheinbar perfekt wiederzugeben. Auf der anderen Seite führen ihre Wahl des Blickwinkels, des Bildausschnitts oder die Monumentali­sierung bestimmter Motive zu überraschend neuen Perspektiven. Das scheinbar Vertraute wird unmerklich zum Fremden. In ihren Obststillleben – eine Gattung, die die Künstlerin seit rund zehn Jahren immer wieder aufs Neue interpretiert -, monumentalisiert sie die Früchte durch extreme Nahsicht. Damit gibt sie ihnen eine formatsprengende Präsenz. Die artifizielle und doch sinnliche Wirkung ihrer Bilder verführt den Betrachter und distanziert ihn gleichermaßen. Ihre Interieurs betören durch ornamentale Flächen von kostbar erscheinenden Teppichen, auf denen sich edle Hunde räkeln oder ruhig verweilen. Doch die großbürgerlich anmutende Szenerie erhält durch vielfältige Lichtbrechungen und das raffinierte Spiel mit unterschiedlichen Perspektiven eine irritierende Räumlichkeit.

In den jüngsten Kompositionen von Interieurs wird dieser Eindruck durch das Absenken des Blickniveaus auf Hunde- oder Krabbelkind-Perspektive und verschwommene Spiegelungen glänzender Parkett­böden ins Extreme gesteigert. Das Motiv erscheint in der Spiegelung mehrfach gebrochen. Das streifige Nebeneinander heller und dunkler Partien vermittelt vibrierende Bewegung. Die Aussschnitthaftigkeit der Raumansicht kommt einer Illustration von Platons Höhlengleichnis nahe.

Der Widerspruch zwischen der vermeintlichen Selbstverständlichkeit naturgetreuer Wiedergabe der Gegenstände und der Verunsicherung durch malerische Mittel wie Monumentalisierung, Perspektivwechsel, Spiegelung, Verwischung, Verzerrung und Unschärfe belegt den konzeptuellen Hintergrund von Kneffels nur vordergründig lukullisch-festlich erscheinender Malerei.

Die Ausstellung mit ca. 200 Exponaten konzentriert sich auf die Interieurs der letzten Werkphase der Künstlerin. Sie umfasst daneben Stillleben, Tier- und Landschaftsbilder sowie Aquarelle aus allen Schaffensperioden.

Das Mönchehaus Museum in Goslar ist dritte und letzte Station der bisher überaus erfolgreichen Ausstellungstournee, die im Ulmer Museum begonnen hat und im Sinclair-Haus in Bad Homburg weitergeführt wurde.

Die Übernahme wird in Goslar durch großformatige Gemälde und Aquarelle aus der Sammlung Frieder Burda (Museum Frieder Burda, Baden-Baden) ergänzt, die der Sammler einzig für diese Station zur Verfügung gestellt hat.

Zur Ausstellung erscheinen ein Katalog im Wienand Verlag zum Preis von EUR 29.– sowie eine Vorzugsausgabe mit einer Farbradierung zum Preis von EUR 140.–. Exklusiv für das Mönchehaus Museum erscheint außerdem eine handsignierte Offsetlithographie zum Preis von EUR 20.–

Zusätzlich bietet das Mönchehaus Museum zahlreiche Editionen an: Obststilleben, Tierköpfe, Interieurs und Figurendarstellungen in der Preisspanne von EUR 140.– bis EUR 800.-

Am 14. September findet um 19.00 Uhr ein Künstlergespräch zwischen Karin Kneffel und Dr. Bettina Ruhrberg im Mönchehaus Museum statt.


Karin Kneffel im Mönchehaus Museum Goslar, September 2006
Karin Kneffel im Mönchehaus Museum Goslar, September 2006
Ausstellungseröffnung - immer etwas Besonderes - Karin Kneffel signiert Verführung und Distanz - Mönchehaus Museum Goslar 2006
Ausstellungseröffnung – Karin Kneffel signiert

Für die Unterstützung dieser Ausstellung danken wir

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Bilder © 2006 VG Bild-Kunst Bonn / Karin Kneffel