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Ausstellung, 28. November 2008 — 08. Februar 2009 

Haïdée Henry – Promenade – Kaiserring­stipendium 2008

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Die Goslarer Kaiserringstipendiatin des Jahres 2008 heißt Haïdée Henry. Die 1978 in Frankreich geborene Künstlerin hat bei Annette Messager studiert und 2006 die École Nationale Supérieure des Beaux Arts in Paris als Jahrgangsbeste abgeschlossen.

Seitdem arbeitet sie in Zeichnungen und Installationen an der Entwicklung eines theatralisch sich präsentierenden, mythopoetischen Weltbilds. Wie in Fabel und Märchen werden Tiere zu Stellvertretern des Menschen. Insbesondere in ihrer eindrucksvollen Serie der „Femmes oiseaux“, der Vogelfrauen, setzt sie sich – frei von ideologischen Befangenheiten – mit Formen der weiblichen Identität auseinander. Die hybriden Wesen scheinen auf einem schmalen Grat zwischen Unabhängigkeit und Abhängigkeit zu schwanken. Ihre Haltungen drücken gleichzeitig Aggression und Demut, Freiheitsdrang und Unterwerfung, erotische Verführungskraft und Angst vor männlicher Bedrohung aus. Eros und Thanatos, Sexualität und Tod, sind in diesen betörenden Bildern omnipräsent. Die Inspirationsquellen der Künstlerin reichen von archaischen Figuren wie der mysteriösen ägyptischen Terrakotta-Vogelfrau aus dem Jahre 3650-3300 v.Chr. (Brooklyn Museum) über antike Chimären bis zur Klassischen Moderne oder zeitgenössischen Positionen. Bezüge lassen sich beispielsweise zu den Vogelkreaturen im Werk von Max Ernst – Kaiserringträger aus dem Jahre 1976 – oder den wundersamen Federskulpturen oder Masken von Rebecca Horn – Kaiserringträgerin aus dem Jahre 1992 – herstellen. In ihren zauberhaften Inszenierungen geht es Haïdée Henry um existenzielle Grundfragen, um Macht und Durchsetzung, Liebe und Sexualität. Die Doppelnatur des Menschen, schwankend zwischen Gefühl und Verstand, Trieb und Regeln, Pflicht und Neigung, veranschaulicht Henry in einer Reihe faszinierender Zeichnungen (2006). Deren Protagonisten sind Kinder, dargestellt im Stil des 19. Jahrhunderts. Bis zur Hüfte sind sie artige, bekleidete Wesen. Ihr nackter Unterleib indes gefällt sich in wilden Kopulationen und Perversionen.

Zur Ausstellung erscheinen ein Katalog mit Text von Michael Stoeber und einem Vorwort von Bettina Ruhrberg, eine neue VFK-Jahresgabe sowie eine handsignierte Offsetlithographie.


Werke


Promenade

Installationsansichten, Mönchehaus Museum, 2008
Fotos: B. Heinze, Goslar


Ausstellungseröffnung

Eröffnung im Mönchehaus Museum 2008


Wir danken der Stiftung Niedersächsischer Volksbanken und Raiffeisenbanken und der Volksbank Nordharz eG für die großzügige Unterstützung des Kaiserring Stipendiums.

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